Slowenien und seine Bienen
Workaholic im Streifen-Look

Am 20. Mai ist Welttag der Biene. Willkommener Anlass für ein paar Worte über die beste Freundin der Imkerei-verliebten Slowenen.

Summ, summ, summ! Bienchen summt … bald nicht mehr herum? Maja und ihre Verwandten sind auf dem Rückzug. Monokulturen verderben ihnen den Appetit, Insektizide machen ihnen den Garaus. Das brachte den Slowenischen Imkerbund auf den Plan: Sie sorgten dafür, dass die UN den Weltbienentag ins Leben rief. 115 Länder haben sich diesem Antrag angeschlossen. Am 20. Mai 2019 jährt sich der Aktionstag zum zweiten Mal.

Wieso ausgerechnet der 20. Mai?

Mit diesem Datum ehrt die UN Anton Janša, der am 20. Mai 1734 in Slowenien geboren wurde. Janša war nicht nur Honigfan und Bienenliebhaber. Er machte auch Karriere am Wiener Hof – als slowenischer Imkermeister von Kaiserin Maria Theresia. Dabei profilierte sich Janša als Rektor der weltweit ersten modernen Imkerei-Schule, Verfasser zahlreicher Bücher über Bienenzucht und Erfinder mehrerer Hilfsmittel für den Imkereibetrieb.

slowenischer Imker am Bienenstock - Foto: Vid Ponikvar, Sportida d.o.o

Geflügelter Workaholic

Den Slowenen liegt nicht nur Imkerei im Blut. Sie können sogar auf ihre eigene Bienenart verweisen. Denn die „Krainer Biene“ (Apis mellifera carnica) ist eine in Slowenien entstandene Unterart der Westlichen Honigbiene. Sie avancierte zur am weitesten verbreiteten Honigbiene der Welt. Die Einfuhr anderer Bienenrassen nach Slowenien ist streng verboten. Imker müssen sogar alle Königinnen, die nicht dem Typus der Krainerin entsprechen, vernichten, damit die Rassereinheit gewährleistet ist.

Alles, was die fleißigen Völker der Krainer Biene produzieren, wird verwertet – egal, ob Honig, Wachs, Gelée Royale, Blütenpollen oder Propolis. Auch die Honigsorten in Slowenien sind so vielfältig wie die umgebende Flora. Wo in deutschen Supermarktregalen Wald- und Lindenblütenhonig auf Käufer warten, haben Kunden in Slowenien die Qual der Wahl: Sorten wie Fichten-, Kastanien- oder Weißtannenhonig locken mit ganz unterschiedlichen Geschmacksnuancen.

slowenischer Honig, Vielfalt pur - Foto: Boris Pretnar

Eine Brise Biene

Neben dem Verspeisen von Honigprodukten hat die klebrige Masse nun auch Wellness-Status: Massagen mit Honig, Honigbäder oder Honigpackungen versprechen Tiefenentspannung und werden in Slowenien immer häufiger angeboten. Sogar Luft aus dem Bienenstock können Interessierte mancherorts inhalieren. Einige Asthmatiker oder Allergiker hoffen hierbei auf heilende Wirkung – ohne dass Studien dies bislang belegen können.

Wellness mit Honig - Foto: Jošt Gantar

Vom Glück einer Axt im Honig

Neben der klassischen Imkerei gab es lange Zeit auch das „Zeideln“: Wilde Bienenvölker wurden im Wald gesucht und ihre honigreichen Waben aus dem Baum geschnitten. Dieser Tradition entstammt die slowenische Redewendung „Die Axt fällt in den Honig.“ („Sekira je padla v med.“), was so viel bedeutet wie „Glück gehabt!“. Denn an den schmackhaften Honig gelangten Sammler beim Zeideln nur durch Fällen oder Aufhacken der Bäume – bis die Axt in den Honig traf.

Zungenbrecher als Gaumenschmaus

Slowenen sind nicht nur geübt im Umgang mit Bienen, sondern schlemmen auch mit Hingabe ihren Honig. Neben diversen Gerichten, die mit der süßen Beigabe verfeinert werden, finden sich auch echte Spezialitäten. So werden in der Gemeinde Škofja Loka und dem Dorf Dražgoše ganz besondere Honigbrote zubereitet. Ihre Namen sind echte Zungenbrecher:

Škofjeloški kruhki“ aus Škofja Loka entstehen, indem frischer Honigteig in handgeschnitzte Holzformen gepresst wird. An den unterschiedlichen Motiven lässt sich wunderbar herumknabbern und der Geschmack von Honig, Pfeffer, Zimt und Nelken genießen.

Honigbrotform für Škofjeloški kruhki - Foto: Jana Kuhar

Formen und fertig zubereitete "Škofjeloški kruhki" - Foto: Tourism Škofja Loka

Noch aufwendiger ist die Verzierung von „Dražgoški kruhki“ aus Dražgoše. Jedes Honigbrot wird von Hand mit weiterem Honigteig dekoriert. Die Grundformen sind zumeist ein Herz und ein Halbmond, auf die dann eine Vielzahl von Sternen, Tieren oder Blumen drapiert werden. Diese Zubereitung hat mehr als 200 Jahren Tradition.

 


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