Bienen spalten die Weltpolitik nicht

Ein Gespräch mit Dr. Peter Kozmus, Initiator des Weltbienentags

Am 20. Mai feiert die Welt jedes Jahr den „Tag der Biene“. Was viele nicht wissen: Dieser Welttag ist eine „Erfindung“ Sloweniens. Wie kam es dazu? Warum gerade der 20. Mai? Wir sprachen mit Dr. Peter Kozmus, einem der Initiatoren des Weltbienentags.

Dr. Peter Kozmus, Imker, Bienenliebhaber und Vice President von Apimondia

Dein-Slowenien.de sprach mit einem, der sich auskennt: Dr. Peter Kozmus, Vice President von Apimondia, der Internationalen Vereinigung der Bienenzüchter. Er ist selbst Imker und war federführend an der Einführung des Weltbienentags beteiligt.

Wer hatte eigentlich die Idee, einen Welttag für Bienen ins Leben zu rufen?
Die Idee kam von Boštjan Noč, dem Vorsitzenden des slowenischen Bienenzüchtervereins. Ich wurde vom Verband dann dazu ausgewählt, dieses Projekt zu realisieren.

Und warum fiel die Wahl auf den 20. Mai?
Es ist der Geburtstag von Anton Janša. Er gilt unter uns Slowenen als größter Imker. Schon seit 2002 feiern wir hierzulande seinen Geburtstag. Wir wollten diesen Tag noch weiter aufwerten.

Kannst Du uns kurz erklären, wie dieser Prozess eigentlich ablief? Wie kam es dazu, dass dieses Datum wirklich zum Weltbienentag wurde?
Das hat eine ganze Weile gedauert. 2014 entstand die Idee dazu. Unterstützung gab es vom damaligen slowenischen Landwirtschaftsminister Dejan Židan.

Auch der Präsident Sloweniens, Borut Pahor, hat uns seine Unterstützung zugesichert. Zusammen mit dem Landwirtschaftsminsterium entwickelten wir aus der Idee ein richtiges Konzept. Das diente der slowenischen Regierung als Basis, um das Projekt weiter voran zu bringen.

2015 wurde von der Regierung eine Arbeitsgruppe zusammen gestellt, die den Prozess vorantreiben sollte. Der Imkerverein hatte die Aufgabe abzuklären, ob alle Imkervereine weltweit die Idee befürworten.

Zuerst erhielten wir die Zustimmung der Imker aus den Nachbarländern, wie z.B. vom Balkan. Im Herbst 2015 sicherte uns auch der Weltimkerverein Apimondia seine Unterstützung zu.

Es zog dann weitere Kreise: der COAG-Ausschuss (Committee on Agriculture) stimmte der Idee zu, anschließend die FAO (Anm.: FAO ist die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen). Ihre Unterstützung war die Grundlage dafür, dass wir die Initiative bei den Vereinten Nationen einreichen konnten. Am 20. Dezember 2017 war es dann soweit: die Vereinten Nationen riefen den Welttag der Biene ins Leben.

Dem Antrag Sloweniens auf einen Weltbienentag schlossen sich 115 Länder an. Darunter auch Russland, China und Brasilien – Länder die nicht gerade bekannt sind für Umweltschutz. Wie gelang es euch, diese Länder für einen Weltbienentag zu begeistern?
Bienen spalten die Weltpolitik nicht. Während des ganzen Prozesses erhielten wir viel Unterstützung. Die UNO Vertreter haben erkannt, dass das Thema nicht nur für eine Region oder einen Kontinent relevant ist, sondern für die ganze Welt.

Wenn wir den Bienen helfen, dann unterstützen wir die Natur und die Menschen. Das haben die einzelnen Staaten erkannt – auch wenn sie sich in unterschiedlichen Stadien des Umweltschutzes befinden.

Bienenstock, Foto Marko Šinkovec

Was waren denn die größten Herausforderungen bei der ganzen Sache?
Hmm, naja, es war schwierig unter den Imker, sich ausgerechnet auf den 20. Mai als Weltbienentag zu einigen. Wie wollen damit den Slowenen Anton Janša ehren. Aber jedes Land hat natürlich seinen eigenen großen Imkermeister. Also wurde von manchen Ländern ein anderes Datum bevorzugt.

In Südkorea hat die Apimondia im September 2015 den 20. Mai unterstützt und bestätigte damit den ursprünglichen Terminvorschlag.

Warum braucht es denn überhaupt einen Weltbienentag? Was bringt er konkret für den Schutz der Biene?
Der Weltbienentag verschafft uns Imkern die breite Aufmerksamkeit der Medien und anderer Multiplikatoren. So können wir die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren und sagen, was beim Schutz der Bienen und anderer Bestäuberinsekten hilft.

Konkret klären wir darüber auf, …

  • dass Bienen und andere Bestäuber sehr wichtig sind, da sie uns 1/3 unserer Nahrung sichern,
  • dass sie in vielen Weltregionen gefährdet sind und
  • was wir tun müssen, damit die Bienen uns erhalten bleiben.

In welchen Ländern ist die Biene besonders stark gefährdet?
Die Bienen sind extrem gefährdet in Ländern, die eine intensive Landwirtschaft betreiben und viele Pestizide einsetzen. Dazu zählen zum Beispiel die Ukraine, Argentinien und Brasilien.

Dr. Peter Kozmus, Vice President Apimondia

Welche besondere Verbindung hat Slowenien zur Biene und zur Imkerei?
In Slowenien hat die Imkerei seit jeher eine sehr große Bedeutung. Imker haben hierzulande im Durchschnitt um die 18 Bienenvölker. Meist betreiben ältere Personen die Imkerei in ihrer Freizeit.

Die Bienenzüchter sind gut miteinander vernetzt. Das slowenische Landwirtschaftsministerium unterstützt aktiv die Bienenzucht. In letzter Zeit entwickelt der Staat Projekte, bei denen man Slowenien über die Bienenzucht besser kennenlernt.

Was unternimmt Slowenien zum Schutz der Biene?
Slowenien hat es heute geschafft, die Bienen derart gut zu schützen, dass wir sie nicht durch eine intensive Landwirtschaft oder ein Massensterben verlieren. Im Gegenteil: Die Zahl der Bienenvölker in Slowenien steigt stetig.

Auf dem Gebiet der Bienenzucht verfügt Slowenien über viel Kompetenz, von der auch andere Staaten profitieren wollen. Seit 2018 gibt es daher in Slowenien eine Bienenakademie. Dort können sich Interessierte aus allen Ländern über Bienenzucht und -haltung informieren.

Benötigen Zuchtbienen denn andere Schutzmaßnahmen als Wildbienen?
Normalerweise benötigen alle saubere Luft, Wasser und Nahrung. Die Bedingungen für ihre Erhaltung sind weitgehend gleich. Das Leben von Wildbienen ist jedoch noch stärker gefährdet als das von Honigbienen, da sie für ihr Leben auch entsprechende Lebensräume benötigen. Das finden sie sehr schlecht in Gebieten, in denen eine intensive Landwirtschaft betrieben wird.

Erholen sich Bienenpopulationen in manchen Weltregionen bereits? Falls ja: Worauf ist das zurück zu führen?
Das Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen wächst weltweit. Einige Länder haben bereits Strategien verabschiedet, die den Schutz von Bienen und anderen Bestäubern fördern. Die EU hat hier eine Vorreiterrolle. Auch Entwicklungsländer haben begonnen sich mit diesem Thema stärker auseinanderzusetzen.

Imker erklären ihre Arbeit am Bienenstock, Foto: Jošt Gantar

Was kann jeder ganz privat für den Schutz der Biene tun?
Abhängig davon ob wir Ackerland, einen Garten, einen Balkon besitzen oder politische Entscheidungsträger sind … es gibt viele Möglichkeiten sich zu engagieren.

Wir können weniger Pestizide verwenden oder solche, die Bienen weniger gefährden. Wir können einen Baum pflanzen, der viele Blüten trägt, oder eine Wiese mit Pflanzen anreichern, die als Bienennahrung dienen. Wir können Honig von lokalen Imkern kaufen und diese so moralisch und finanziell unterstützen.

Warum liegt Dir die Biene persönlich so am Herzen?
Mit den Bienen beschäftige ich mich seit der Grundschule. Mich haben die Tiere sofort begeistert. Es freut mich, sie zu studieren und ihre Organisation und Arbeitsweise zu bewundern. Seit mehr als 25 Jahren züchte ich Bienen. Die Arbeit mit ihnen entspannt mich und ich kann mir ein Leben ohne sie gar nicht vorstellen. Ich arbeite daran, das Bewusstsein über die Bedeutung von Bienen für den Menschen zu schärfen und das wir alle den Bienen eine Umwelt bieten, in denen sie sich gut entwickeln.


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