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Infos zur Maut in Slowenien

Das wichtigste zuerst: Slowenien verfügt über ein sehr gut ausgebautes Straßennetz. Vor Schotterpisten, Schlaglöchern oder mangelnder Beschilderung muss sich niemand fürchten. Anders sieht es mit dem Bußgeldkatalog aus – der hat es in sich. Besonders das Fahren ohne Vignette reißt ein Loch in die Urlaubskasse.

Aber alles der Reihe nach….

Vignette DARS

Von Nord nach Süd, von Ost nach West ist das Land von gut ausgebauten Autobahnen durchzogen. Alle Wege führen nach – nein, nicht nach Rom, aber nach Ljubljana, der Landeshauptstadt. Besonders interessant für Slowenien Besucher ist hier der Autobahnabschnitt A1/ A2 zwischen dem Karawankentunnel im Norden und der Küstenstadt Piran. Bei guter Verkehrslage benötigen Autofahrer für diese Strecke circa 2 Stunden.

Übersicht der mautpflichtigen Straßen in Slowenien (blau markiert)

An alle staugeplagten Berufspendler in Großstädten:

Lest das ruhig noch mal!

 

Nur zwei Stunden Fahrt

zwischen phantastischer Bergwelt und Badebucht an der Adria!

 

Die Nutzung schneller Verkehrswege hat in Slowenien allerdings ihren Preis. Und so kommen wir gleich zum zweitgrößten Frustthema für alle Autofahrer: der Maut. (Größtes Frustpotenzial hat noch immer der Stau – aber gegen den ist kein Kraut gewachsen.)

Maut/ Vignette/ Pickerl

Seit 2008 lässt Slowenien sich die Nutzung seiner Autobahnen und Schnellstraßen bezahlen. Für Autos und Wohnmobile gibt es Wochen-, Monats- und Jahresvignetten. Für Motorräder Wochen-, Halbjahres- und Jahresvignetten. Das Datum der Lochung ist immer auch der erste Tag der Gültigkeit.

Die Klassifizierung erfolgt in drei Stufen und orientiert sich an drei Aspekten:

  1. ein- oder zweispurige Fahrzeuge
  2. Gewicht
  3. Fahrzeughöhe

Die „Fahrzeughöhe“ stürzt viele in Verwirrung. Auch die offizielle Erklärung der slowenischen Autobahngesellschaft DARS liest sich ungefähr so aufschlussreich wie eine Steuererklärung:

„Die Höhe des Fahrzeugs über der ersten Achse ist die Entfernung vom Untergrund zum höchsten Punkt des Fahrzeugs auf der Ebene, die im rechten Winkel zum Untergrund und durch die Achse der Vorderräder verläuft.“

 

 

DARS Skizze Höhenmessung

Alles klar? Sonst vielleicht noch dreimal lesen…

Schnappt euch einen Zollstock, stellt euch neben eines der Vorderräder an eurem Urlaubsgefährt. Setzt den Zollstock auf den Boden neben das Rad und führt ihn wie ein Lineal durch den Mittelpunkt eures Vorderrads. Verlängert diese Linie bis zur oberen Kante der Motorhaube.

Ist die Klassifizierung geklärt, wisst ihr, in welche Mautkategorie euer Spritschlucker fällt:

Mautklasse 1

  • einspurige Kraftfahrzeuge, Motorroller
  • Motorräder mit oder ohne Anhänger

Mautklasse 2A

Dazu zählen sämtliche PKWs (inkl. SUVs, Pickups, etc.)

  • bis 3,5 Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht
  • bis zu einer Höhe von 1,30 Metern (gemessen am Mittelpunkt der Vorderachse)

Auch folgende Wohnmobile zählen dazu:

  • bis zu einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen
  • auch wenn sie die Fahrzeughöhe von 1,30 Metern am Messpunkt überschreiten

Mautklasse 2B

Dazu zählen Fahrzeuge…..

  • bis 3,5 Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht
  • die Fahrzeughöhe liegt bei 1,30 Meter oder mehr (hierzu zählen etwa große Vans, Transporter, Lieferwägen).

Nochmal der Hinweis:

Wohnmobile bis 3,5 Tonnen fallen in die Kategorie 2A, auch wenn sie die Fahrzeughöhe von 1,30 Meter am Messpunkt überschreiten.

Anhänger werden übrigens nicht gesondert bemautet!

Hinweis

Fahrzeuge, die eigentlich in die Kategorie 2B fallen, jedoch zu Wohnmobilen umgebaut wurden, können auch die Vignetten der Kategorie 2A verwenden.

Bedingung

Der Umbau muss vorab genehmigt bzw. typisiert sein (Typenschein, Einzelgenehmigung). In solchen Fällen empfiehlt sich, eine Kopie des Typenscheins oder der Einzelgenehmigung mit der entsprechenden Eintragung mitzuführen.

ABER…

Wenn die permanente Ausrüstung nicht dauerhaft (also fest) angebracht ist, obwohl die Dokumente (z. B. die Zulassung) es als ein Wohnmobil definieren, wird das Fahrzeug trotzdem die Vignette 2B benötigen.

Verwirrt? Verständlich!

Bei all den Klassifizierungen gibt es noch immer Grenzfälle: Fahrzeuge, bei denen sich auf den ersten Blick oder anhand einer einfachen Messung nicht feststellen lässt, ob sie eine Fahrzeughöhe von 1,30 m wesentlich überschreiten. Für solche Fälle hat das Unternehmen DARS eine Liste erstellt, in der einsehbar ist, welche Vignette ihr kaufen müsst. Ihr findet sie unter diesem LINK.

Die Preise in 2019

Mautklasse 1

  • Jahresvignette*: 55,00 EUR
  • Halbjahresvignette: 30,00 EUR
  • Wochenvignette (= 7 Tage): 7,50 EUR

Mautklasse 2a

  • Jahresvignette*: 110,00 EUR
  • Monatsvignette: 30,00 EUR
  • Wochenvignette (= 7 Tage): 15,00 EUR

Mautklasse 2b

  • Jahresvignette*: 220,00 EUR
  • Monatsvignette: 60,00 EUR
  • Wochenvignette (= 7 Tage): 30,00 EUR

* Die slowenischen Jahresvignetten gelten immer vom 1. Dezember des Vorjahres bis zum 31. Januar des darauffolgenden Jahres der jeweiligen Vignetten-Generation – also insgesamt 14 Monate.

Fällt euch was auf? Korrekt: Die Preise sind recht teuer, weshalb manche das System sarkastisch „Autobahnpiraterie“ nennen. Auch die Staffelung ist für manch eine Urlaubsplanung sperrig. Macht ihr zum Beispiel eine Woche Urlaub und wollt am 8. Tag abreisen, ist eine neue Maut fällig. Eine 10-Tages-Vignette gibt es bislang nicht.

Hier bekommst Du die Vignette

Wenn ihr alles schon im Voraus erledigen wollt, könnt ihr die Vignette (online) einfach beim ADAC oder beim ÖAMTC in Österreich kaufen.

Meist muss man auf der Anreise aber ohnehin noch mal Pause machen, um sich die Füße zu vertreten. Bei so einer Gelegenheit könnt ihr die Vignette auch unterwegs erwerben: In Deutschland bieten Tankstellen nahe der österreichischen Grenze die slowenische Vignette an. In Österreich kann sie an fast allen Tankstellen gekauft werden – insbesondere bei den großen Marken (OMV, Esso, Jet oder Shell).

Auch wenn ihr von Kroatien aus startet, könnt ihr euch bereits dort an den Tankstellen mit der Vignette eindecken. Und nicht vergessen: Rechnung aufheben! Bei Kontrollen muss man sie teilweise ebenfalls vorweisen.

Noch ein Hinweis für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen

Für diese Gewichtsklasse wird eine streckenabhängige Maut erhoben. Das betrifft auch Wohnmobile über 3,5 Tonnen. Seit 2018 dient ein Transponder zur Zahlung der Mautgebühren. Er nennt sich „DarsGo unit“ und ist an allen Servicestationen der DARS und online erhältlich. Der Transponder wird an der Innenseite der Windschutzscheibe befestigten und „kommuniziert“ anschließend mit den an den Autobahnen und Schnellstraßen angebrachten Mautportalen. Sobald das Fahrzeug unter dem Portal hindurch fährt, wird die Gebühr automatisch abgebucht.

Die Berechnung erfolgt nach:

  • gefahrenen Kilometern
  • Anzahl der Achsen
  • EURO-Emissionsklasse

Weitere Informationen zur DarsGo unit finden sich unter diesem LINK.

Bußgelder

Versucht nicht ohne Vignette die Autobahn zu nutzen. Die Autobahngesellschaft DARS, der Zoll und die Polizei kontrollieren regelmäßig wechselnde Streckenabschnitte (per Video oder über Personenkontrollen). Erwischen sie euch, drohen Bußgelder zwischen 300 EUR bis 800 EUR. Könnt ihr die Strafe nicht sofort in bar zahlen, werden wichtige Dokumente eingezogen (Ausweis, Pass, Führerschein oder Zulassungsschein).

Schleichwege

Klar kann ein Sparfuchs die Maut umgehen, indem er einfach andere Straßen nutzt. Aber: Fahrten über slowenische Landstraßen ziehen sich sehr in die Länge: Engpässe, viele Kurven und zahlreiche Ortschaften mit Geschwindigkeitsbeschränkung tragen dazu bei. Mit Kindern im Auto, einem hungrigen Magen oder müdem Kopf sollte man einfach schneller ans Ziel. Und Achtung: Steckst Du an der Grenze erst einmal im Karawankentunnel, kommst Du am anderen Ende unweigerlich auf die slowenische Autobahn – und musst Maut zahlen. Soll das vermieden werden, musst Du die Autobahn bereits vor dem Grenzübergang im österreichischen Villach verlassen.

Karawankentunnel

Übrigens: Der Karawankentunnel ist nicht Teil des Vignettensystems! Hier wird eine eigene Mautgebühr fällig. Aktuelle Preisinformationen gibt es HIER.

Die für die Fahrt durch den Karawankentunnel entrichteten Mautgebühren gelten zwischen den ersten Autobahnanschlüssen auf beiden Seiten der Staatsgrenze (in Slowenien der Anschluss Hrušica, in Österreich der Anschluss Rosenbach-Podrožca).

Schadenersatz

Für die Pechvögel, bei denen die Windschutzscheibe kaputt geht, bleibt ein kleiner Trost: Sie können einen Kostenersatz für die gekaufte Vignette einfordern. Allerdings muss auf der Vignette der Gültigkeitszeitraum noch klar ersichtlich sein.

Das Formular zur Kostenerstattung findet ihr HIER

Das Formular für eine Ersatzvignette gibt es HIER

Was noch wichtig ist

Das Kennzeichen eures Fahrzeugs muss immer auf der originalen Kaufquittung eingetragen sein. Der Kaufbeleg ist aufzuheben und muss mitgeführt werden.

Bei der Monatsvignette und der Halbjahresvignette ist vorgeschrieben, dass der erste Gültigkeitstag zugleich der Kauftag sein muss (auch bei Internetbestellungen).

Für die Montage der Vignette ist eine gut sichtbare Stelle auf der linken Seite der Windschutzscheibe außerhalb des Tönungsstreifens vorgeschrieben.

Wird die Vignette von der Scheibe einmal gelöst, verliert sie sofort ihre Gültigkeit. Daher bitte erst abziehen, wenn ihr sie wirklich nicht mehr braucht. Leider lassen sich slowenische Vignetten besonders schlecht entfernen. Es gibt viele Rückstände an der Scheibe. Hier helfen Glasreiniger, ein Tuch, der Ceranfeld-Schaber und Geduld. Andere schwören auf den Haarfön, Bremsreiniger oder Enteisungsmittel…hier können wir leider keine Aussage zur Erfolgsquote machen.

Fazit

Ja, die Vignette ist nicht günstig. Aber Schleichwege lohnen sich auch nicht. Also lieber in den sauren Apfel beißen und schneller ans Ziel kommen. Nicht vergessen: Lasst das Kennzeichen des Fahrzeugs auf der Kaufquittung eintragen und hebt den Beleg auf, solange ihr damit unterwegs seid. Sonst kann es Stress geben bei Kontrollen. Jetzt Schluss, Aus, Ende und: Gute Fahrt!


Highlights entlang der slowenischen Autobahn: Wohin die Reise lohnt

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